1. Einführung in das Kinesiotape
Kinesiotape ist ein äußerst vielseitiges Hilfsmittel, das in der Sportmedizin, Physiotherapie und Rehabilitation eingesetzt wird. Sein besonderes Merkmal ist die Elastizität, die es von herkömmlichen, unelastischen Verbänden unterscheidet. Diese einzigartige elastische Eigenschaft ermöglicht es dem Tape, sich mit dem Körper zu bewegen und Halt zu geben, ohne die Bewegung einzuschränken. Kinesiotape ist in der Regel in Breiten von etwa 5 cm erhältlich und wird meist aus Baumwolle – seltener aus Nylon – hergestellt, um die Elastizität der menschlichen Muskeln nachzuahmen, mit einer Dehnfähigkeit von 130–140 %.
Was Kinesiotape so wirksam macht, ist die Kombination aus selbsthaftenden, atmungsaktiven, wasserabweisenden und hautfreundlichen Eigenschaften. Das Tape haftet auf der Haut durch einen thermoplastischen Acrylatkleber, der in wellenförmigen Linien aufgetragen wird, was sowohl den Tragekomfort als auch die Haltbarkeit verbessert. Anwender können Kinesiotape mehrere Tage, sogar bis zu zwei Wochen, tragen, ohne dass die unterstützende Wirkung nachlässt, was es für Sportler, Fitnessbegeisterte und alle, die langfristige Unterstützung benötigen, geeignet macht.
Obwohl es viele Marken und Varianten von Kinesiotape gibt, teilen die meisten diese grundlegenden Eigenschaften und bieten zuverlässige Unterstützung für Muskeln und Gelenke, helfen bei der Verletzungsrehabilitation und verbessern die Bewegungseffizienz. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Kinesiotape kein Allheilmittel ist und professionelle medizinische Behandlung nicht ersetzen kann. Konsultieren Sie immer einen Arzt, bevor Sie es bei Verletzungen oder zur Rehabilitation einsetzen.
Farbpsychologie und Kinesiotape
Kinesiotape ist in einer breiten Farbpalette erhältlich, von kühlen Tönen wie Blau bis hin zu warmen Farben wie Gelb. Obwohl die Farbpsychologie darauf hindeutet, dass verschiedene Farben bestimmte emotionale oder physiologische Reaktionen hervorrufen können, gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Farbe des Kinesiotapes irgendeinen Einfluss auf den Heilungsprozess oder die Stimmung des Anwenders hat. Jede wahrgenommene Farbwirkung bleibt anekdotisch und unbewiesen.
Kontraindikationen und Sicherheitshinweise
Trotz seines verbreiteten Einsatzes ist Kinesiotape nicht für jeden geeignet. Verzichten Sie auf Kinesiotape, wenn eine der folgenden Bedingungen vorliegt:
- Allergien gegen polyacrylische, acrylische oder Acrylat-Klebstoffe (Pflasterallergie)
- Maligne Tumore oder Krebsbehandlungen wie Bestrahlung oder Chemotherapie
- Frische Hautverletzungen, offene Wunden oder chronische Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Ekzeme oder Pilzinfektionen
- Gefäßerkrankungen wie frische Thrombosen oder Krampfadern
- Einnahme von Blutverdünnern oder Kortikosteroiden
- Frischer Sonnenbrand, Hautreizungen oder Fieber unbekannter Ursache
- Empfindliche Haut, sehr lockeres Bindegewebe oder noch nicht vollständig verheilte Knochenbrüche
- Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimester oder bei Risikoschwangerschaften
Außerdem wird eine längere oder kontinuierliche Anwendung ohne Pausen nicht empfohlen. Eine übermäßige Abhängigkeit von den Stützeigenschaften des Tapes kann dazu führen, dass Muskeln, Sehnen und Gelenke auf den externen Reiz angewiesen sind, was langfristig zu Schäden führen kann.
2. Anwendung von Kinesiotape
Vorbereitung
- Haut vorbereiten: Die Stelle muss sauber und trocken sein – frei von Ölen, Lotionen, Parfüm oder Cremes.
- Überschüssige Haare trimmen oder entfernen: verbessert die Haftung und erleichtert das Entfernen.
- Tape auf die erforderliche Länge zuschneiden: zuerst messen, dann schneiden.
- Ecken abrunden: verhindert, dass sich die Kanten vorzeitig ablösen.
- Enden (Basis) ohne Dehnung aufkleben: die Enden werden stets ohne Zug aufgeklebt.
Anlegen
Sobald die Basis fixiert ist:
- Für minimale Spannung: Tape ohne zusätzliche Dehnung auflegen und auf der Haut glattstreichen.
- Für maximale Spannung: Tape mit beiden Händen fest ziehen, um die gewünschte Dehnung zu erzielen. Den gedehnten Abschnitt fixieren und dabei die Basis stabil halten. Tape einige Sekunden einreiben, um den thermoplastischen Klebstoff zu aktivieren.
- Trägerpapier abziehen: beim Aufkleben in kleinen Abschnitten abziehen, nicht alles auf einmal.
Tape entfernen
Am einfachsten entfernen, wenn das Tape nass ist (z. B. unter der Dusche):
- Tape gründlich anfeuchten — Feuchtigkeit löst den Kleber.
- In Haarwuchsrichtung vorsichtig abziehen.
Zusätzliche Tipps
- Klebefläche nicht berühren
- Nach dem Aufkleben fest andrücken
- In empfindlichen Bereichen vorsichtig sein (Kniekehle, Hals, Finger, Zehen)
- Auf allergische Reaktionen achten — bei Rötung oder Brennen sofort entfernen
- Kribbeln beim erstmaligen Aufkleben ist normal
- Nach einer Woche wechseln
- Langsam und vorsichtig entfernen
3. Anwendungsbeispiele
3.1 Beauty: Face Tape
CrossCat BeautyTape
Aus Premium-Rayon (Kunstseide) gefertigt für ein unglaublich weiches und sanftes Gefühl, ideal für empfindliche Haut. Extra starker Kleber für längeren Halt. Erhältlich in einem natürlichen Hautton.
Face Tape für Einsteiger
- Haut vorbereiten: Gesicht reinigen, Öle und Make-up entfernen, Haut muss trocken sein.
- Tape zuschneiden: 2,5–5 cm je nach Bereich.
- Tape positionieren: Haut an der gewünschten Stelle vorsichtig nach oben ziehen, schräg für optimalen Lifteffekt anlegen.
- Mit leichtem Druck aufkleben: fest, aber behutsam andrücken und glätten, um Falten oder Luftblasen zu vermeiden.
- Vorsichtig entfernen: langsam von den Kanten her. Bei Bedarf mildes Öl verwenden, um den Kleber zu lösen.
Face Tape für Stirnfalten
- Haut reinigen und vorbereiten: Stirn reinigen, vollständig trocken stellen.
- Tape zuschneiden: ca. 5–7,5 cm lang.
- Tape anlegen: Stirnhaut vorsichtig straffen, Tape horizontal über der Brauenlinie für einen Lifteffekt positionieren.
- Fest andrücken: von der Mitte zu den Rändern glätten, um Luftblasen zu entfernen.
- Einige Stunden oder über Nacht belassen, dann vorsichtig von einem Ende her abziehen.
Face Tape für die Lippen
- Lippen vorbereiten: reinigen, Make-up, Öle oder Balsam entfernen. Haut muss trocken sein.
- Tape zuschneiden: ca. 2,5–5 cm, nicht zu breit.
- Tape positionieren: Lippen zusammenpressen für eine glatte Oberfläche. Vertikal auf der Oberlippe für mehr Volumen oder horizontal an den Mundwinkeln zum Anheben.
- Sanft andrücken: Haftung sicherstellen, keine Falten oder Luftblasen.
- Nach einigen Stunden vorsichtig entfernen. Danach beruhigenden Lippenbalsam auftragen.
Face Tape für Wangen und Kinnpartie
- Haut reinigen: Öle oder Make-up entfernen. Vollständig trocken stellen.
- Tape zuschneiden: zwei Stücke von je ca. 5–10 cm Länge.
- Tape anlegen: in den Spiegel schauen, Wangen und Kinnpartie vorsichtig nach oben ziehen. Tape an der Kinnpartie in Richtung Ohren für einen Lifteffekt anlegen.
- Glätten und fixieren: fest von der Mitte nach außen drücken, um Luftblasen zu entfernen.
- Nach einigen Stunden oder morgens vorsichtig entfernen. Anschließend eincremen.
3.2 Beauty: Boob Tape
- Haut vorbereiten: Brustbereich reinigen, Öle, Lotionen und Make-up entfernen. Vollständig trocken.
- Tape messen und zuschneiden: ca. 20–30 cm je nach gewünschtem Lift.
- Tape positionieren: am unteren Teil der Brust beginnen. Tape mit leichter Dehnung nach oben und außen ziehen.
- Enden fixieren: fest andrücken, von der Mitte zu den Rändern glätten. Auf der anderen Seite wiederholen, wenn gewünscht.
- Ergebnis prüfen: ein anliegendes Oberteil anziehen, um die Positionierung zu kontrollieren. Ggf. anpassen.
3.3 Sportanwendungen
Nacken und Schultern
- Tape von der Schulter bis zum Haaransatz am Hals messen.
- Muskel dehnen, indem der Kopf zur Gegenseite geneigt und zur gleichen Seite gedreht wird.
- Basis des Tapes am Haaransatz ohne Dehnung aufkleben, in Richtung Schultergelenk.
- Rest des Tapes ohne Zug aufkleben, Muskel vollständig gedehnt.
- Ggf. auf der anderen Seite wiederholen.
Lendenwirbelsäule
- Wirbelsäule durch Vorbeugen dehnen.
- Ersten Streifen horizontal über der Lendenwirbelsäule mit maximaler Spannung aufkleben, Enden ohne Zug.
- Zweiten Streifen im rechten Winkel zum ersten, ebenfalls mit maximaler Spannung aufkleben.
- Zwei weitere Streifen diagonal über die ersten beiden kleben und so eine Sternform bilden.
- Sicherstellen, dass alle Tapeenden ohne Zug haften.
Knie
- Tape auf 20–25 cm Länge zuschneiden.
- Tape am gebeugten Oberschenkel anlegen.
- Tape maximal dehnen und seitlich am Knie entlangkleben, ca. 2 cm an den Enden ohne Dehnung lassen.
- Zuerst die Außenseite, dann die Innenseite bekleben.
- Sicherstellen, dass alle Streifen fest haften.
Ellbogen (Tennis- oder Golferellbogen)
- Drei Streifen mit nach innen gedrehter Hand und gestrecktem Ellbogen messen.
- Basis des Tapes auf dem Handrücken zwischen zweitem und drittem Mittelhandknochen aufkleben, Enden ohne Zug.
- Ellbogen leicht beugen und zwei kurze Streifen gekreuzt direkt über dem Schmerzpunkt aufkleben, mit maximaler Spannung.
- Sicherstellen, dass die Enden beider Streifen ohne Zug haften.
Quadrizeps
- Tape bei vollständig gedehntem Muskel messen, Oberkörper vorbeugen und Knie strecken.
- Basis des Tapes am Wadenbeinkopf ohne Dehnung aufkleben.
- Rest des Tapes über den Muskel in Richtung Sitzbeinhöcker ohne Zug aufkleben.
- Tape sanft einreiben für gute Haftung.
- Prüfen, ob die Anlage glatt und fest sitzt.
Füße und Knöchel
- Tape in Bauchlage mit maximal angehobenem Vorderfuß messen, von der Ferse bis zum Übergang des Sehnengewebes.
- Fuß in 90°-Stellung (Nullstellung) zwischen Unterschenkel und Fuß positionieren.
- Basis des Tapes an der Ferse ohne Dehnung befestigen.
- Bei vollständig gestrecktem Muskel das Tape mit maximaler Spannung über die Sehne in Richtung Muskelansatz aufkleben.
- Sicherstellen, dass das Ende ohne Zug aufgeklebt ist und das Tape fest sitzt.
Großzehe
- Mit dem Fuß in Ruheposition beginnen.
- Basis des I-Streifens an der Innenseite der Wade aufkleben, mit minimaler Spannung um den Fuß wickeln.
- Zweiten Streifen unter dem Mittelfußknochen (Fußrücken) aufkleben und um den Fuß wickeln, um das Sprunggelenk zu stabilisieren.
- Für den ersten Y-Streifen: an der Großzehe beginnen.
- Unteren Streifen mit Zug zum Knöchel hin aufkleben, ohne Zug in der Nähe der Achillessehne beenden.
- Oberen Streifen des Y über dem unteren aufkleben, mit weniger Spannung auf der Haut.
- Zur Valgus-Stabilisierung: einen weiteren Y-Streifen vom Fußballen aus aufkleben, mit Zug um den Valgus wickeln und mit weniger Spannung über den Fußrücken beenden.
Unterbauch (Schwangerschaft)
- Tape am Tag vor Beginn der Menstruationsbeschwerden aufkleben.
- Basis des ersten Streifens zentriert über dem Gesäßspalt auf dem Kreuzbein, rechts positionieren.
- Zweiten Streifen vom Anfang des ersten ausgehend diagonal nach oben auf der gegenüberliegenden Seite des Kreuzbeins aufkleben.
- Mitte des dritten Streifens auf der Körpermittellinie zwischen Nabel und Schambein fixieren. Enden horizontal zur Hüftknochen beidseitig ziehen.
- Vierten Streifen Y-förmig schneiden. Enden mit geringem Zug nach rechts und links in Richtung Nabel ziehen.
Waden und Achillessehne
- Tape in Bauchlage mit angehobenem Vorderfuß messen, von der Ferse bis zur Stelle, an der die Sehne die Wadenmuskulatur kreuzt.
- Fuß in Nullstellung halten (90°-Winkel zwischen Unterschenkel und Fußrücken).
- Basis des Y-Streifens an der Ferse ohne Dehnung befestigen.
- Beide Teile des Tapes bogenförmig aufkleben.
- Oberhalb der Kniekehle die beiden Streifen zusammenführen.
- Sicherstellen, dass die Enden ohne Zug haften, übereinander liegend.
- I-Streifen von der Ferse ohne Dehnung über die Kniekehle kleben, Enden des Y-Streifens überlappend.
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